Kantstraße: Demo für Radwege

Hervorgehoben

Teilnehmer der Demonstration auf der Kantstraße Foto: Link

Die Berliner Radfahrer haben es satt: Die Kantstraße ist ihnen viel zu gefährlich. Sie fordern einen Umbau der Straße zwischen Messedamm und Zoologischem Garten in Charlottenburg. Am 8. Februar wurde hier ein 62-jähriger Radler auf der Busspur totgefahren.
Jetzt demonstrieren Radfahrer jeden Montag um 8.30 Uhr mit einer 10-minütigen Blockade der Kantstraße in Höhe des „Schwarzen Cafés“ für Radwege. „Wir fordern, dass die Parkspur in eine Fahrradspur umgewandelt wird“, sagt Mitorganisator Heinrich Strößenreuther. Die Parkstreifen seien unnütz und Platzverschwendung, sagten Teilnehmer der Demonstration. Die illegale Parkspur, das heißt der rechte Fahrstreifen, solle in eine legalen Parkspur umgewandelt werden, die linke Fahrspur solle bleiben. Das sei keine Verschlechterung, so Teilnehmer, weil die rechte Fahrspur wegen der vielen Lieferanten und Pkw, die in zweiter Reiheparkten, kaum benutzbar sei. Der rechte Fahrstreifen sollte dann in eine Fahrradspur umgewandelt werden. „Das ist einfach zu machen und billig“, so Strößenreuther.

Kantstraße: Demo für Radwege

Immer montags um 8.30 Uhr wird nun bis auf weiteres eine Kurzblockade der Kantstraße in Höhe der Hausnummer 148 („Schwarzes Café“) durchgeführt. Bei der Polizei ist die Aktion als Demonstration angemeldet. Die Aktivisten wollen die Bezirkspolitiker aufrütteln. „Wenn es Berlin ernst meint mit dem Mobilitätsgesetz, dann muss hier schnell etwas geschehen“, sagte Strößenreuther. Die Demo-Teilnehmer beklagen, dass die Kantstraße nicht erst seit dem Tod des 62-Jährigen im Februar in Verruf geraten sei. Er war auf der Busspur von einem rechts überholenden Autofahrer angefahren worden und starb im Krankenhaus. Auf der Strecke gibt es keinen Fahrradstreifen. Wenn man hier entlangfahre, sagte ein Teilnehmer, habe man „das Totenhemd an“. Man müsse sich durch Autos hindurchschlängeln, die in zweiter Reihe parkten, und werde dabei auch noch ganz eng von Autos überholt.

Wegen der Coronakrise sind die Demonstrationen vorerst ausgesetzt

 

 

Die Kantstraße – für Radfahrer eine Katastrophe

Radfahrer sind auf der Kantstraße nicht vorgesehen

Radfahrer sind auf der Kantstraße nicht vorgesehen

In dieser Woche musste ich einmal die Kantstraße befahren. Ein Erlebnis, das man eigentlich seinem ärgsten Feind nicht wünscht. Dazu muss ich sagen, ich bin durchaus Kummer auf der Straße gewohnt. Dass man als Radfahrer in Berlin mindestens einmal am Tag beleidigt wird, gehört ja gewissermaßen zu den stillen Auszeichnungen, die sich jeder erwirbt, der in der Hauptstadt Rad fährt. Ich bin auch nicht zimperlich, was den Verkehr und die schlechten Fahrbahnen anbelangt. Aber die Kantstraße hat mich das Fürchten gelehrt.

Rücksichtslose Hetze und kein Fahrradstreifen

Die Straße hat zwei relativ schmale Fahrspuren, wovon eine fast immer von irgendeinem Lieferwagen blockiert wird, und keinen Fahrradstreifen. Es bleibt einem nichts übrig, als die Straße zu benutzen. Dort sitzen einem aber die Autos im Nacken. Am besten ist es, man fährt mitten auf der Straße und zieht sich den Zorn der hupenden Autofahrer zu. Und überall da, wo ein Lieferwagen die rechte Spur blockiert, ist es schon ein Kunststück, auf die linke Fahrspur einzuschwenken, um daran vorbei zu kommen.

Die Kantstraße – eine Katastrophe für Radfahrer

Man kämpft gegen die Autos, schlängelt sich am Lieferverkehr vorbei, wird äußerst knapp überholt, dann angemeckert, und wer in dem Gedränge nicht mitschwimmt, hat schon verloren. Ich kann nicht verstehen, dass die Verkehrsplaner hier nicht schon längst eingegriffen haben. Es ist im Grunde organisierte Verantwortungslosigkeit, was hier geschieht, besser: nicht geschieht. Man sollte sofort eine Spur in jeder Richtung für Radler und meinetwegen Lieferverkehr reservieren. Der Sicherheit wäre damit auf jeden Fall gedient. Im momentanen Zustand hat man auf der Kantstraße das Totenhemd an.