Rennradtour in Südtirol: Zum Vernagt-Stausee im Schnalstal

Rennrad an einem Stausee

Am Vernagt-Stausee im Schnalstal

Meine Begeisterung für Südtirol hat mich dieses Jahr mit meiner Familie nach Latsch im Vinschgau verschlagen. Die Ortswahl war eher ein Zufall, ich war spät dran bei der Suche – aber das Quartier Montani entpuppte sich als hübscher Standort inmitten großer Apfelplantagen. Ein guter Ausgangspunkt für Rennradtouren und Bergwanderungen. Wenngleich sich die Wanderlust unserer 14-jährigen Begleiterinnen in Grenzen hielt. Radfahren ist hier aber für Berliner – gestählt auf den Hoppelstrecken der Großstadt – ein Erlebnis. Glatte Straßen und Radwege, von denen man nicht einmal träumen wollte, bevor man sie erlebte!

Rennradtour in Südtirol: Zum Vernagt-Stausee im Schnalstal

Etwas leichtsinnig hatte ich angekündigt, dass ich mit dem Rennrad meiner Familie zum Vernagt-Stausee im Schnalstal hinterherfahren würde. Dort ist ein großer Hochseilgarten, den die beiden Mädchen ausprobieren wollten. Die ersten zwölf Kilometer bis Naturns waren auch so recht nach dem Geschmack eines Genussradlers: Es geht vorwiegend auf dem formidablen Radweg bergab.

Durch den Tunnel vor Naturns

Zwei Kilometer vor Naturns kommt es dann aber dick: Man nimmt die Straße Richtung Vernagt und muss durch einen 1100 Meter langen Tunnel fahren. Die rechts davon verlaufende alte Straße sei nicht mehr befahrbar, sagte man im Bio-Markt an der Kreuzung. Von hier zweigt übrigens auch ein Fußweg zu Reinhold Messners „Mountain Museum“ auf der alten Burganlage Juval ab. Die Fahrt durch die Röhre ist wegen des Lärms der Autos und Lkws eine echte Nervenbelastung – ich bin einmal vor Schreck auf den schmalen Randstreifen geflohen, als ein Betonmischer von hinten herankam.

Steil bergauf durch das Schnalstal

Es geht hier 8-10% bergauf. Das gilt leider für die restlichen 20 Kilometer auch, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Meine Hoffnung, hinter der nächsten Kurve möge die Straße etwas flacher verlaufen, wurde nicht erfüllt. Im Gegenteil. Kurz unterhalb der Staumauer des in den 60-Jahren angelegten Sees türmt sich noch einmal ein Hindernis mit sechs Serpentinen auf – ich muss gestehen, hier habe ich den halben Weg geschoben.

Großartige Landschaft

Wenn man neben der Plackerei noch etwas Energie für einen Blick zur Seite hat, dann wird man aber mit einer großartigen Landschaft für seine Mühen entschädigt. Die anfangs enge, felsige Schlucht wird zu einem lieblichen Hochtal mit Obstplantagen, Feldern und Bauernhöfen. Hier und da lädt eine Gaststätte oder ein Café zu einer Pause ein. Interessant ist auch ein Abstecher hoch nach Karthaus mit den Resten des Karthäuserklosters aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts. Kurz vor dem hübschen Hauptort „Unser Frau“ kann man sich in einem Info-Center über die frühe Besiedlung des Tals und die Geschichte seines berühmtesten Wanderers, des „Ötzi“ informieren, dessen Leiche 1991 oben auf dem Niederjochferner gefunden wurde.  Zu einem Besuch in dem „ArcheoParc“ über die frühe Besiedlung des Tals reichte meine Puste leider nicht.

Vor dem Ötzi-Infocenter bei "Unser Frau"

Vor dem Ötzi-Infocenter bei „Unser Frau“

Schweiß, harte Waden und eine rasante Abfahrt

Vor vier Jahren fuhr ich auf das Stilfser Joch und habe es nicht als so anstrengend in Erinnerung wie diese Auffahrt durch das Schnalstal. Während man sich nach den 48 Kehren aufs Stilfser Joch immer wieder mal erholen konnte – und die Steigung auch meist nur bei 8% liegt -, geht es im Schnalstal durchweg bei 10, manchmal 12% aufwärts. Meine Waden wurden hart, der Schweiß tropfte in einem kleinen Bächlein aufs Oberrohr, und das einzig Tröstliche war ein halbwegs kühler Tag. 

Der Vernagt-Stausee

Der Vernagt-Stausee

 

 

 

 

 

 

 

Oben angekommen, war ich fix und alle. Während die beiden Mädchen von dem Hochseilgarten, dem „Ötzi Rope Park„, schwärmten, zitterten mir die Beine. Erst nach einer längeren Pause traute ich mich an die Abfahrt. Die hattes dann aber in sich. Fast 20 km bergab, teils mit über 60 km/ – schneller traute ich mich kaum. Die Landschaft, die ich zuvor in zweidreiviertel Stunden mühsam durchstrampelt hatte, sauste in Windeseile vorbei, und am Ende hatte auch der Tunnel seinen Schrecken verloren. Schneller als 70k,/ dürfen hier Autos auch nicht fahren.

  • Länge: 64 km (Latsch – Stausee – Latsch, Talauffahrt ca. 20 km)
  • Höhenmeter: rund 1000 m
  • Dauer: 2.45 Std. (Meine Zeit)

Fahrradtour Berlin – Freiburg

zwei junge Frauen auf Fahrrädern mit Gepäck

Henriette und Sophie auf dem Weg nach Gotha

Jetzt ist es so weit, am Sonnabend soll es losgehen: Ich fahre mit dem Fahrrad nach Freiburg/Br. Den Plan trage ich schon ein paar Jahre mit mir herum, nie war Zeit, doch jetzt soll es sein. Die Fahrradtour von Berlin nach Freiburg soll mich einmal durch halb Deutschland bringen, vom Nordosten in den Südwesten. 

Fahrradtour Berlin – Freiburg

Die Strecke ist rund 840 Kilometer lang, das hat die Fahrrad-App Komoot ausgerechnet. Ich will nicht hetzen und habe 14 Tage anberaumt, großzügig gerechnet. Begleitet werde ich von meinen Töchtern Henriette (21) und Sophie (19). Wir wollen etwas sehen auf der Strecke und werden sicherlich das eine oder andere Mal eine Pause einlegen – es wird also kein Rennen werden. Dennoch sind nach bisherigem Plan Etappen von 80, 90 km dabei.

Durch den Thüringer Wald und über die Rhön

Und es wird wohl kein reines Vergnügen werden: Im Thüringer Wald und in der Rhön soll es bergig sein – mal sehen, was unsere Kondition sagt…Vielleicht müssen wir an der einen oder anderen Stelle umplanen. Übernachten wollen wir, so weit es geht, in Jugendherbergen. Aber es wird auch bestimmt einmal eine Pension sein – abhängig von der Strecke und der Tagesform.

Fahrradtour Berlin-Freiburg: Stopp im Odenwald

Ein Zwischenstopp wird der Odenwald sein. Denn dort findet am Wochenende vom 9. bis 11. Juni auf dem stillgelegten Flugplatz in Walldürn ein Motorrad-Oldtimer-Rennen statt. Mitorganisiert hat es mein Bruder – ich hoffe, dass wir rechtzeitig zum Start der röhrenden Maschinen da sind. Vorher werde ich aber versuchen, Interessierte auf diesem Blog über unser Vorwärtskommen auf dem Laufenden zu halten. Also: In den Stadtradler reinschauen!

Fahrradtour Berlin – Freiburg: das Gepäck

Eine wichtige Frage ist natürlich: Was nehme ich mit? Um es gleich vorweg zu sagen: Wir hatten Zuviel Gepäck eingeladen in Berlin. Man sollte sich auf das wirklich absolut Notwendige wie Fahrradbekleidung, Regensachen, Wäsche, kurze Hose, T-Shirt, Kulturbeutel und Medikamente beschränken. Die Waden danken es einem, wenn es aufwärts geht. Ich schickte zum Beispiel in Eisenach ein Päcken mit gut zwei Kilogramm Inhalt zurück nach Berlin. Auch in Heidelberg warf ich noch mal Ballast ab. 

Fahrradtour Berlin-Freiburg: die Fahrräder

Wir hatten keine besonderen Tourenfahrräder. Henriette fuhr auf einem geschätzt 35 Jahre alten französischen Stahl-Rennrad mit geradem Lenker, Sophie hatte ein neues Cube SL Road, eine Mischung aus Cross- und Fitnessbike, und ich mein zehn Jahre altes Stevens Strada 600, eigentlich ein Fitnessbike. Henriette hatte 28mm-Rennradreifen von Continental, Sophie 40 mm breite Crossreifen von Schwalbe und ich 32 mm breite Conti Sport Contact. Bis nach Freiburg hatten wir keinen Plattfuß oder andere Probleme. Das einzige Malheuer war, dass eine Schaltung mal etwas justiert werden musste.

Erste Etappe: Dessau – Gorenzen/Mansfeld

Der Start unseres Unternehmens war das, was man richtig vermasselt nennt – wir wollten das erste Stück bis Dessau mit dem Zug fahren, bestiegen jedoch den falschen in Berlin(!) und mussten einen anderen nehmen. Der Effekt war, statt eines Starts gegen 9 Uhr wie geplant eine Abfahrt in Dessau um 12.30 Uhr. Da lagen 90 Kilometer vor uns. Der Regen hatte zum Glück etwas nachgelassen, doch die Strecke zog sich ganz schön in die Länge. Was ich unterschätzt hatte, war das Gepäck. Die gefühlt 15-20 Kilogramm zogen bei jedem gefahrenen Kilometer schwerer an meinen Beinen. Zu allem Übel ging es auch noch bergauf, je näher wir unserem Ziel, die Jugendherberge in Gorenzen bei Mansfeld, kamen. Von meinen Töchtern war ich begeistert – beide sind „nur“ Hobbyradlerinnen, mit welcher Energie und Ausdauer sie aber in die Pedale traten, beeindruckte mich. Gegen 20.15 Uhr kamen wir schließlich ziemlich erschöpft in Gorenzen an.

Radfahrer bei Rast

Pause auf dem Weg nach Gorenzen bei Mansfeld

Miserable Gastronomie

Was auch über 25 Jahre nach dem Mauerfall immer noch deprimierend ist, ist die Ödnis der Orte mit Namen wie Alsleben, Sandersleben oder Wiederstedt. Kaum Menschen auf den Straßen, wenn doch, schauen Sie mürrisch und abweisend drein. Und die gastronomischen Leuchttürme bilden nach wie vor die Shops der Tankstellen. Warum dieser Teil der deutschen Provinz sich so wenig charmant und liebenswert präsentiert, bleibt mir ein Rätsel. Ein Höhepunkt: An einer Tankstelle wollte man uns nicht mal die Wasserflaschen auffüllen, obwohl wir zuvor dort Geld für Kaffee und Imbiss gelassen hatten. Engherzigkeit und Armut schlagen sich eben auch in versteinerten Herzen nieder.

Zweite Etappe: Gorenzen – Erfurt

Eigentlich dachten wir nach unserem miesen Start, es könnte nicht schlimmer kommen. Doch wir wissen ja: Es kommt meist schlimmer! Und zwar regnete es beim Start, dazu kam ein Wind, der sich Sturmstärke näherte, und es ging bergauf. Tapfer trotzten wir den Unbillen des Wetters, bis die Route uns auf einen Waldweg führte, der von Wasserrinnsalen schon ausgespült, mit größeren Steinen übersät und eben alles andere als ein schöner Waldweg war. Henriette musste mit ihren Rennradreifen mächtig aufpassen. Nach etwa drei Kilometern war die Chose zu Ende und wir freuten uns über glatte Landstraßen. Die Entschädigung kam am Nachmittag mit einem wunderschönen Saale-Unstrut-Radweg. Am Ufer entlang, zwischen Feldern mit Mohn, erlebten wir die Provinz von ihrer schönen Seite. Und es gab sogar ein Café mit einem wunderbaren Erdbeerkuchen. Aber auch unter angenehmen Umständen wollen 90 km erst einmal bewältigt sein – müde erreichten wir Erfurt.

Zwei Radfahrerinnen in der Altstadt von Erfurt

In der Altstadt von Erfurt

Dritte Etappe: Erfurt – Eisenach

Am nächsten Tag ließen wir es ruhiger angehen. Die Tour nach Eisenach verlief einigermaßen eben, auch wenn es hinter Gotha mal etwas stärker bergauf ging. Dafür kam nach der Anhöhe eine rasante Abfahrt, die wir mit 50 km/h nahmen. Gotha zeigte sich gastfreundlicher – wieder einmal mussten aber die Italiener den Ruf der Gastronomie retten. Hier hatten wir auch die bislang einzige kleine Panne: Ein Befestigungsgurt hatte sich im Hinterrad von Henriette verfangen. weiß der Teufel, wie er dahin kam…

Der Rest der Strecke verlief auf geradezu malerischen Wegen durch Felder und Dörfer.  Nach 65 km kamen wir entspannt auf dem Marktplatz in Eisenach an und aßen eine der landestypischen Würste. Der mürrisch-grimmige Blick der Menschen war dem stillen Stolz der Bewohner einer alten Kulturlandschaft gewichen, die Küche zog mit. Hier kann man tatsächlich leben.

Zwei Menschen vor einer Gaststätte in Gotha

Mittagspause in Gotha

   

Menschen in einem Café in Eisenach

Café auf dem Markt in Eisenach 

 

 Vierte Etappe: Zugfahrt

Ich muss es gestehen, es fällt mir nicht leicht, aber in Eisenach verließ uns der Radlermut. Der Himmel hing voller dunkler Wolken, es stürmte, als solle ganz Thüringen einmal durchgeblasen werden, und es drohte der Thüringer Wald mit seinen Bergen. Wir beschlossen, mit dem Zug nach Bad Kissingen zu fahren. Radsportlich ein Einbruch, gefühlt aber eine Erleichterung. Kaum saßen wir im Zug, fing es an zu regnen. Wir freuten uns über den Service der Bahn, die auch scheinbar entlegenste Orte noch mit ihren Regio-Expressen bedient.



Fünfte Etappe: Bad Kissingen – Hafenlohr am Main

Dieses Stück war unsere bisherige Härteprobe. Was eine gemütliche Tour auf dem Saale-Radweg sein sollte, erwies sich fünfstündiger Kampf gegen einem Sturmwind, der stets von vorne kam. Darüber vergaßen wir fast zu würdigen, wie schön die Landschaft war. Man fährt durch die Felder entlang der Saale, hin und wieder zeigt sich auch die Gastronomie von ihrer besseren Seite. Der Radweg führt aber leider auch über Waldwege und Schotterpassagen, er kann mit den „Autobahnen“ im Ostteil Deutschlands nicht mithalten.  Vom Wind völlig ausgequetscht, kamen wir nach 90 Kilometern in einem klassichen Landgasthof bei Lohr am Main an. Ein dicker Braten war in Windeseile verschlungen, der Schlaf tief und lang.

Zwei Fahrradfahreinnen in Lohr

In der Altstadt von Lohr

Sechste Etappe: Von Hafenlohr nach Mudau

Nach einem Tiefschlaf und einem guten Frühstück fuhren wir weiter. Über Wertheim mit seiner hübschen Altstadt ging es entspannt am Main entlang. Wegen der vielen Mainkehren sollte sich der Weg aber als wesentlich erweisen, als ihn unsere App Komoot ausgewiesen hatte. Bis wir Mudau im Odenwald erreichten, waren es dann doch wieder 88 Kilometer. In Freudenberg verloren wir kurzfristig Henriette – eine gewisse Überraschung auf der ansonsten durchaus überschaubaren Strecke. Über Miltenberg ging

Blick auf den Main mit Brücke bei Miltenberg

Blick auf den Main bei Miltenberg

die Etappe weiter nach Buch, wo die Auffahrt in den Odenwald begann. Immerhin ging es von 130 auf 459 Meter hoch. Die Strecke auf einem schönen Radweg durch den Wald war eine Herausforderung.

Zwei junge Frauen in einem Café in Miltenberg

Sophie und Henriette in Miltenberg

Mit etwas zitternden Waden kam ich in meinem Heimatort Mudau an – meine beiden Begleiterinnen schienen weniger beeindruckt zu sein.

Radfahrer auf einem Radweg im Wald

Durch den Wald hinauf nach Mudau

Ortsschild Mudau und drei Radfahrer

Geschafft: Mudau ist erreicht

Regenbogen über einem Haus

Farbenspiel nach einem Gewitter: Regenbogen in Mudau

Bevor es weiterging, besuchten wir allerdings noch das Oldtimerrennen für Motorräder „Odenwald Classics“ in Walldürn. Es ist immer wieder erstaunlich, zu welchen Organisationsleistungen sich Privatpersonen aufraffen, wenn es um Hobbys und Großveranstaltungen geht. Auf dem ehemaligen Flugplatz bei Walldürn war ein Zeltlager mit Autos, Wohnmobilen, Lastwagen und Versorgungseinrichtungen aufgebaut, das einen sehr professionellen Eindruck machte. Neben Reifenkieferanten, einem Leistungsprüfstand und Versorgungszelten mt Essbarem schien es an nichts zu fehlen. Und überall Motorräder, darunter auch Kostbarkeiten wie eine Sechszylindermaschine von MV Agusta mit 250 ccm Hubraum, die der ehemalige Grand-Prix-Weltmeister Freddie Spencer vorstellen wollte. Das Ganze machte den Eindruck eines Riesenspielplatzes für große Jungs. 

Moto-Guzzi-Rennmaschine und junge Frau

Henriette vor der 4-Zylinder Moto Guzzi meines Bruders Alex

Um halb acht wurden die ersten Maschinen für den ersten Probelauf des Tages angelassen – ein Höllensturm brach los.

Siebte Etappe: Nach Heidelberg

Diese Tour war gewissermaßen die Entschädigung für die Auffahrt in den Odenwald. Denn wo es raufgeht, geht es auch wieder runter. Gut zehn Kilometer lang war die Abfahrt über den Reisenbacher Grund nach Eberbach. Auch auf der Straße durchs Neckartal rollten die Räder ganz gut.  

Heidelberg - die alte Brücke und die Altstadt

Heidelberg mit alter Brücke und Altstadt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Heidelberg machten wir noch zwei Tage Pause. Meine Begleiterinnen arbeiteten für die Uni, ich besuchte einen Freund und freute mich am beschaulichen Leben in dem schönen Städtchen am Neckar. 

Achte Etappe: Heidelberg – Karlsruhe

Das war eine der schönsten Etappen auf der ganzen Tour – sie war flach und sie führte über weite Strecken durch einen schattigen Wald. Die Räder sausten geradezu über den Asphalt. 

Fahrradweg im Wald bei Karlsruhe

Der Karlsruher Stadtwald bei Graben-Neudorf

Das Wetter war ja inzwischen auch viel sommerlicher geworden, und so erschien uns die Fahrt vorbei an Feldern und durch den Wald noch angenehmer.

Erschreckende Jugendherberge in Karlsruhe

Umso ernüchternder dagegen die Jugendherberge von Karlsruhe. Eine hei.e Minizelle für drei Personen, der Charme eines Hasenkastens aus den 50er-Jahren – eine Notunterkunft.

Neunte Etappe: von Karlsruhe nach Straßburg

Die vergangene Etappe hatte uns darin bestärkt, dass 50km-Abschnitte viel besser sind, als 80km-Strecken. Also führen wir Richtung Straßburg erst einmal bis Rastatt mit dem Zug. 

Zwei Radfahrer auf Rheinfähre

Autor und Tochter Sophie auf der Rheinfähre bei Grefferm

Erfreulich: Auch in Baden-Württemberg kostet die Fahrradmitnahme in der Bahn nichts. Von Rastatt nach Straßburg hatten wir eine schnelle, schöne Fahrt auf guten Velorouten. Ein hübsch eingerichtetes Hostel empfing uns, und es gab dort auch noch ein Abendessen. Allerdings hatte die schicke Unterkunft eine ganz altertümliche Klimaanlage, die nachts vor unserem Zimmer rumorte – einen Haken gibt es eben oft.

Zwei junge Frauen mit Fahrrädern an einem Badesee

Badesee im elsässischen Bischheim

Portal der Straßburger Münsters

Portal des Straßburger Münsters

 

Wegen einer gruppendynamischen Krisensituation verkürzte sich die Stadtbesichtigung am nächsten Tag merklich. Sophie beschloss, von Straßburg aus mit dem Bus nach Berlin zurückzufahren – Henriette und ich traten die Weiterfahrt alleine an.

 

Zwei junge Frauen i, Speiseraums eines Hostels

Speiseraum des Ciarus-Hostels in Freiburg

Zehnte Etappe:: Von Straßburg nach Schlettstadt

Hier gibt es eine wunderbare, ca. 25 Kilometer lange Strecke entlang des Rhone-Rhein-Kanals. Sie verläuft praktisch völlig eben, zum Teil im Schatten der Bäume, die am Kanal stehen, und wenn nicht der leichte Gegenwind gewesen wäre, wären wir von alleine dahingeeilt. So langsam stellte sich bei uns das Gefühl ein, in Frankreich und im Urlaub zu sein. Es war sehr heiß an diesem Tag, und das Essen ging uns aus, ebenso das Wasser. In den hübschen kleinen elsässischen Dörfern gab es kaum Geschäfte, sodass wir langsam auf einem „Hungerast“ saßen. Zum Gck fanden wir dann noch eine Bäckerei, die wir fast leerkauften, und Wasser bekamen wir auch – übrigens überall und anstandslos im Gegensatz zu der Tankstelle mit der knausrigen Hexe in Thüringen.

Junge Radfahrerinam Rhön-Rhein-Kanal

Henriette sortiert ihr Gepäck am Rhein-Rhone-Kanal

Elfte Etappe: Schlettstadt – Colmar – Freiburg

Und weil wir uns Frankreich nicht so schnell trennen wollten, machten wir auf der letzten Etappe einen Abstecher nach Colmar. Ein Entschluss, der das Herz meiner verbliebenen Begleiterin höher schlagen ließ. Die Landschaft war schön, die Ketten surrten und der Café war prima – was will man mehr? Die Idylle in Colmar war schon fast künstlich, aber doch beeindruckend. Hinter mancher Fassade schimmerte der Charme eines unverfälschten Lebens in einer Kleinstadt am Rande der Zeit hervor.  

Fachwerkhäuser am Place Jeanne d'Arc in Colmar

Der Place Jeanne d’Arc in Colmar

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Colmar war es dann quasi nur noch ein Katzensprung nach Freiburg – die 50 km brachten wir allerdings mit ziemlich viel Wehmut hinter uns. Kurz vor Freiburg türmten sich dann noch einige Hindernisse in Gestalt von Weinbergen auf – aber unseren gestärkten Waden waren sie nicht gewachsen. Am frühen Abend kamen wir in Freiburg ab – und der Autor fuhr noch eine Extra-Runde hoch zum Panorama-Hotel, weil er seiner App und der falsch umgegebenen Adresse mehr vertraute, als dem Instinkt der Tochter. Ein nicht nur in psychologischer Hinsicht unangenehmer Fehler – der Hügel war der steilste der ganzen Tour. Das hämische Lachen von Henriette scheint mir heute noch in den Ohren zu klingeln.

Nach rund 750 Kilometern waren wir in Freiburg angekommen. Glücklich? Na, ja. Sophie fehlte. Stolz? Ein bisschen. Zufrieden? Ja!

Blick auf den Rhein bei Breisach mit Stauwehr

Der Rheinübergang bei Breisach

Zwei Radfahrer am Ortsschild von Freiburg

Zwei zufriedene Radler am Ortsschild von Freiburg

 

 Ein Wort zu den Jugendherbergen

Jugendherbergen, so mein Eindruck nach dieser Tour, sind irgendwie aus der Zeit gefallen.  Sie sind eine Erinnerung an Nachkriegszeiten, als Reisen noch ein Luxus war. Heute wirkt ihr Komfort etwas hausbacken, die Ausstattung ist oft wenig ansprechend, die Preise sind dafür gar nicht so gering. Wer für drei Personen 88 Euro für eine Übernachtung mit Frühstück in einem 12 qm großen Zimmer bezahlen muss, der sehnt sich nach einem schönen Hostel, das es für den gleichen Preis gibt – mit besserer Ausstattung. Es soll Ausnahmen geben, habe ich erfahren, die Jugendherberge in Köln wird etwa sehr gelobt. Doch mir scheint: Als Notnagel mögen Jugendherbergen noch gelten – ansonsten ist man mit Hotels oder Hostels in den meisten Fällen besser dran. 

Navigation mit Komoot

Navigiert haben wir mit der App von Komoot. Ich war mehr als zufrieden. Die App ist für Fahrradfahrer geradezu ideal. Man kann Touren planen und umplanen, erhält stets die kürzeste Verbindung, und wenn man anders fährt als vorgeschlagen, orientiert sich die App auch an der neuen Route. Die Sprachführung ist genau. Sehr praktisch ist der Umstand, dass man alle ausgearbeiteten Routen auf dem Handy speichern kann, somit keine mobilen Daten für die Führung verwendet werden. Meist waren die vorgeschlagenen Routen kürzer als etwaige Radrouten. Wo diese manchmal verschlungenen Wegen folgten, führte uns Komoot über asphaltierte Feldwege oder Nebenstraßen direkter zum Ziel. Einzig der Stromverbrauch des Handys ist höher – dafür sollte man einen Ersatzakku dabei haben.

An Karten hatten wir die Fahrradkarten des ADFC dabei, was für die große Übersicht nützlich ist. 

Rennrad fahren im Bayerischen Wald

Kirche, Rennrad, Bayerischer Wald

Ein Herrgottswinkel im Bayerischen Wald

In diesem Urlaub war ich im Bayerischen Wald. Ja, ich weiß, das klingt nicht besonders exotisch oder ambitioniert. Aber ich finde, man sollte die Heimat nicht unterschätzen. Vor allem, wenn sie so schön ist, wie das Gebiet zwischen der Donau und der tschechischen Grenze. Ich kann eigentlich nicht sagen, dass ich die Gegend für mich entdeckt hätte. Es ist eher so, dass sie sich mir offenbarte und jeden Tag eine neue hübsche Überraschung präsentierte.

Wo die Feldwege besser sind als Berliner Radwege

Nehmen wir nur mal die so genannte Wirtschaftswege in dieser doch eher verlassenen Gegend. Jeder einzelne stellte noch selbst gute Berliner Radwege in den Schatten. Es war eine Freude, mit dem Rennrad darüber zu sausen – sie waren asphaltiert, gut in Schuss und meist gut ausgeschildert. Schlaglöcher wie auf den Berliner Teststrecken für Zweiräder habe ich keine angetroffen. Eine Freude! Dazu passte auch ein zivilisierteres Verhalten der Autofahrer, wenn ich auf Landstraßen fuhr. Das aggressive Berliner Gehupe, diese elende Rechthaberei auf vier Rädern habe ich keinen Tag vermisst.

Rennrad fahren im Bayerischen Wald

Die Strecken sind natürlich hügelig – es heißt nicht „Bayerisches Flachland“. Meist sind die Anstiege aber nicht länger als zwei, drei Kilometer, und man darf sich sicher sein, dass es oben jedes Mal bergab geht. Dieses Auf und Ab zeiht sich durch eine liebliche Landschaft, die einem einfach gefallen muss. Da gibt es stille Herrgottswinkel und sanft geschwungene Wiesen mit einem See mittendrin, man fährt durch Wald und über kleine Seitenstraßen, auf denen einem nur selten ein Auto begegnet. Ich habe Rehe gesehen, Heu gerochen und die Vögel sangen für mich, und wenn es gar zu heiß wurde, war mit Sicherheit ein Biergarten oder zumindest ein Lokal nicht weit.

Landschaft bei Spiegelau

Landschaft bei Spiegelau

 

 

 

 

 

 

 

Gute Karten und Komoot

Einen Haken hat der Bayerische Wald für Rennradfahrer: Die von den Tourismusverbänden ausgewiesenen Radwegen sind meist eher etwas für Mountainbiker als für Rennradfahrer. Ich habe daher „Kompass“-Karten und der besten Fahrrad-App vertraut, die es meines Erachtens gibt: Komoot. Mit beiden Hilfsmitteln kam ich immer auf befahrbaren Wegen ans Ziel. Auch wenn ich einmal absteigen musste, um einen kleinen Bach auf einer Holzbrücke zu überqueren. Die Streckenlängen waren moderat – 50 bis 60 Kilometer am Tag.

Hier musste ich eine kleine Brücke nehmen

Hier musste ich eine kleine Brücke nehmen

 

 

 

 

 

 

 

Das Revier um Spiegelau im Bayerischen Wald

Das Revier um Spiegelau im Bayerischen Wald

Havelchaussee morgens um fünf Uhr: Fast wie Italien

Morgenstimmung an der Havel Foto: Link

Morgenstimmung an der Havelchaussee                                                   Foto: Link

Frühaufstehern möchte an diesen herrlichen Sommertagen eine Fahrt entlang der Havel empfehlen. Ich war am vergangenen Sonnabend um fünf Uhr morgen dort unterwegs – die Vögel pfiffen um vier Uhr schon von den Bäumen, so dass ich aufwachte – und kann sagen: So schön entspannt wie an diesem Morgen habe ich Berlin selten erlebt. Nur vereinzelt waren Berliner auf der Havelchaussee unterwegs, die Nachtschwärmer schwärmten offenbar noch, hin und wieder sah man einen Radfahrer.

Havelchaussee morgens um fünf Uhr

Still lag die Stadt da, die Sonne warf ihr frühes grelles Licht auf die Havel, ein Fuchs sprang über die Straße, ein anderer schaute aufmerksam dem Radler zu, der da seinen Weg kreuzte. Das Licht war so hell und die Luft so lau als befände man sich irgendwo am Mittelmeer. Es fehlte eigentlich nur noch der Duft von Pinien. Den können märkische Kiefern nicht ganz ersetzen, aber mit etwa Phantasie kann man sich im mediterranen Raum unterwegs wähnen. Also, liebe Leute: Früh aufstehen, so schnell kommt ihr nicht mehr ans Mittelmeer wie bei einer Fahrt auf der Havelchaussee in aller Herrgottsfrühe.

Das Restaurantschiff "Alte Liebe"

Das Restaurantschiff  „Alte Liebe“ auf der Havel

Radtour von Berlin nach Lübben

Sönnenaufgang, Herbst, Lübben/Spreewald

Sonnenaufgang über einer Herbstwiese bei Lübben                                                Link

Dass der Spreewald nicht so weit vor den Toren Berlins  liegt, habe ich ja schon gesagt. Hier folgt nun die Tour mit dem Rennrad dorthin. Vom Süden Berlins bis nach Lübben (dort gibt es einen Bahnhof) sind es knapp 100 Kilometer – eine schöne Strecke für einen Tagesauflug. Zurück geht es mit der Bahn (13 Euro inkl. Fahrrad). Ich fuhr von Zehlendorf über Teltow und Blankenfelde nach Mitttenwalde. Man kann weitgehend asphaltierte Radwege parallel zur Straße benutzen, von Rangsdorf nach Mittenwalde geht es gar über die Felder auf einem Wirtschaftsweg. Von Mittenwalde ging meine Route nach Bestensee und dort über die B 179 nach Märkisch Buchholz. Das war ein Fehler, die Bundesstraße ist doch recht befahren, besser ist die Strecke über Groß Köris, wie sie auch die Karte zeigt.

 

Pause am Köthener See

Von Groß Köris geht es über Märkisch Buchholz zum Köthener See. Hier habe ich eine kleine Pause eingelegt. Die Gaststätte „Zum Köthener See“ ist mittwochs bis sonntags von 12 bis 21 Uhr geöffnet (Tel. 033765/80520). Das Zanderfilet ist zu empfehlen. Von hier bis Lübben sind es dann noch 27 Kilometer. Man fährt im Ortszentrum Richtung Groß Wasserburg, die Straße verläuft durch einen Kiefernwald. In Groß Wasserburg hält man sich in Richtung Krausnick und dort Richtung Schönwalde. Man sollte sich in Groß Wasserburg nicht an die Angabe „Lübben/Schlepzig“ halten – die Route verläuft von Schlepzig aus auf einer hässlichen Bundesstraße bzw. ist für Rennräder ungeeignet. Wer der Richtung Schönwalde folgt, sieht kurz hinter dem Ortsende von Krausnick auf der linken Seite ein kleines Zeichen „Lübben“. Es führt zu einem wunderbaren asphaltierten Weg durch den Wald nach Lübben. Vom Bahnhof in Lübben gehen zweimal stündlich Regionalbahnen nach Berlin. Die Fahrzeit beträgt eine Stunde und 20 Minuten.

Köthener See

Spätsommer am Köthener See            Link

Radwege fürs Rennrad nicht zu empfehlen

Es gibt auch viele schöne Radwege in und durch den Spreewald abseits der Landstraßen.  Etwa den Hofjagdweg von Königs Wusterhausen in den Spreewald,  den Spreeradweg, der bis nach Bautzen führt, oder den Dahme-Radweg von Königs Wusterhausen bis Märkisch Buchholz. Für das Rennrad kann man sie allerdings nicht wirklich empfehlen, weil Teile davon Schotterwege sind oder aus alten Plattenwegen bestehen. Hier ist man mit dem Mountainbike besser unterwegs. Ich bin um die Krausnicker Berge herum auf einem Waldweg gefahren, es geht zur Not, ist aber keine Freude.

Länge: knapp 95 km

Fahrradtour Berlin-Lübben

Rennradtour Berlin-Lübben

Eine Fahrradtour nach Ribbeck zum alten Birnbaum

Hochzeitspaar vor dem Schlosshotel in Ribbeck

Hochzeitspaar vor dem Schlosshotel in Ribbeck                                             Foto: Link

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland / Ein Birnbaum in seinem Garten stand…Das Gedicht von Theodor Fontane über den kinderfreundlichen Gutsbesitzer dürfte fast jedes Schulkind kennen. Vielleicht ist das ein Grund, einmal eine Fahrradtour in den Ort circa 50 Kilometer westlich von Berlin zu unternehmen. Ribbeck hat sich richtig herausgeputzt. Es gibt ein hübsches Schloss, eine kleine Kirche (in der gerne Hochzeiten gefeiert werden), Cafés, einen Hofladen und auf dem ehemaligen Gut des Herrn von Ribbeck sind liebevoll Einrichtungen von damals wiederhergestellt worden: die Malschule, ein Klassenzimmer, das Theater, die Ribbecksche Brennerei. Zudem gibt es einen Kinderbauernhof. Also: Gründe genug für einen Familienausflug.

Von Spandau (38 km) oder Nauen nach Ribbeck

Leute mit guter Kondition starten am Bahnhof Spandau und fahren die 38 Kilometer nach Ribbeck, wer es gemütllicher angehen will oder Kinder im Tross hat, fährt mit dem Regionalzug nach Nauen und nimmt von dort die rund 12 Kilometer unter die Räder. In Spandau hält man sich auf der Seegefelder Straße, biegt rechts in die Zeppelinstraße und nach circa 400 Meter links in den Spekteweg. Durch den Grünzug fährt man knapp fünf Kilometer Richtung Falkensee, bis man auf die Spandauer Straße stößt. Hier biegt man links ein und folgt der Straße. Sie ist leider viel befahren, das wird aber besser, wenn man Falkensee hinter sich gelassen hat. Über die Landstraße 201/202 fährt man nach Nauen weiter. Ich war an einem Samstag unterwegs, der Verkehr hielt sich sehr in Grenzen.

Hofladen in Ribbeck

Der kleine Hofladen auf Gut Ribbeck   Foto: Link

Radweg ab Nauen (12 km)

Ab Nauen gibt es dann einen schönen Fahrradweg parallel zur Landstraße über die Dörfer Lietzow und Berge nach Ribbeck. Er ist durchgehend asphaltiert und verläuft durch Felder, zum Teil fährt man sogar im Schatten hoher Bäume. Der Weg endet in Ribbeck, man biegt links ab und ist im Nu auf dem Dorfanger.

Das Dorf Ribbeck

Das Dorf hat sich für seine Besucher in den vergangenen Jahr schön gemacht. Gleich am Dorfanger wartet das kleine Café in der Alten Schule auf den Radler. Bei schönem Wetter sitzt man unter Bäumen im Freien. Im Café Theodor nebenan gibt es neben Kaffee und Kuchen einen Spielplatz, und im ehemaligen Waschhaus ist ein hübscher Hofladen. Ribbecker Birnentorte ist eine Spezialität, neben alten Alltagsgegenständen findet man alle möglichen Produkte rund um die Birne. Einen Besuch wert ist die kleine Dorfkirche. Sie ist bei Hochzeiten sehr beliebt. Schön ist auch der Park rund um das Schloss Ribbeck, dessen Sanierung mit öffentlichen Mitteln im Jahr 2009 abgeschlossen wurde. Im Innern befindet sich ein kleines Museum (3 Euro, tgl. 10–17 Uhr), das an die Geschichte des Hauses im Spiegel der Werke Theodor Fontanes erinnert. Zurück nach Nauen nimmt man den gleichen Weg. Züge nach Berlin verkehren im 30-Minuten-Takt.

Von Spandau nach Ribbeck

Von Spandau nach Ribbeck

Fahrradtour: Havelchaussee und Kronprinzessinenweg

Gipfel der Anstrengung: der Grunewaldturm an der Havelchaussee

Gipfel der Anstrengung: der Grunewaldturm an der Havelchaussee

Das Gute liegt meist näher als man denkt. Das fiel mir dieser Tage bei einer Fahrt über die Havelchaussee auf. Es ist nahezu die einzige „Bergstrecke“, die Berlin bietet (na ja, manche führen da noch den Weinbergsweg in Mitte an), und wenn man nicht ausgerechnet an einem Sonntag fährt, ist es dort auch ziemlich ruhig. Wer also einmal wieder seine Waden spüren will beim Spurt hoch zum „Willi“ – wie in Rennradlerkreisen der Grunewaldturm genannt wird –, der ist hier genau richtig. Wenn man von der Spinnerbrücke aus die Havelchaussee hochfährt, kommt hinter der Liper Bucht eine längere Steigung, die für besagte Muskeltraining geeignet ist. Für „Alpinisten“ ist das zwar keine Herausforderung, für Flachland-Berliner aber vielleicht schon. Und ich habe da auch schon Familien gesehen. Also: Nur tapfer ran!

Biergarten am Grunewaldturm

Man kann die Strecke aber auch ganz entspannt angehen und sich den schönen Biergarten  am Grunewaldturm als Ziel aussuchen. Oder dort eine Pause machen und abkühlen von der schweißtreibenden Auffahrt auf den Berg an der Havel. Will sagen: Die Straße  ist einfach schön, der Biergarten auch, zur Belohnung geht es auf beiden Seiten von dort oben dann bergab – was will man mehr?

Rückweg über Havelchaussee zum  das Olympiastadion

Um aus der Stecke eine Rundttour zu machen, kann man über Glockenturmstraße, Olympiastadion, die Siedlung Eichkamp und den Kronprinzessinnenweg wieder zum Ausgangspunkt an der Spinnerbrücke zurückfahren. An der Glockenturmstraße wird es noch einmal etwas hügelig, aber das kennen wir ja schon. Oder man steigt am S-Bahnhof Heerstraße in ein öffentliches Verkehrsmittel (wenn eine Familie unterwegs war und sich Erschöpfungszustände bemerkbar machen sollten).

Die Tour über die Havelchaussee und den Kronprinzessinnenweg

Die Tour über die Havelchaussee und den Kronprinzessinnenweg

Länge: ca. 30 km

Fahrradtour nach Caputh

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Auf der Fähre über den Templiner See in Caputh

Caputh am Templiner See ist an diesen heißen Tagen ein schönes Ausflugsziel. Zum einen fährt man einen Großteil der Strecke unter Schatten spendenden Bäumen. Zum anderen kann man in Caputh oder entlang des Sees einen Badestopp einlegen. Und das Strandbad Caputh weckt definitiv Südseeträume!

Start in Wannsee

Wir starten in Wannsee und fahren zur Glienicker Brücke. Wer seine Muskeln trainieren will, der fährt in Wannsee-Mitte rechts in die Pfaueninselchaussee rein und erklimmt den kleinen Hügel. Der weitere Weg führt dann sehr hübsch am Wasser entlang zur Glienicker Brücke. Je früher man unterwegs ist, umso weniger muss man mit Fußgängern rechnen. In Potsdam fährt man zunächst geradeaus und orientiert sich an der Richtung Brandenburg und Werder/H. Falsch machen kann man da eigentlich wenig. Hinter dem Ortsausgang von Potsdam führt ein guter Radweg weiter nach Geltow. Dort folgt man dem Verkehrshinweis nach links Richtung Caputh. Nach circa zwei Kilometern hat man die Fährstelle in Caputh erreicht.

Caputh: Campingplatz, Fährhaus und Seebad

Wer hier ins Wasser springen will, der fährt kurz vor der Fähre nach links Richtung Campingplatz „Himmelreich“.  Dort gibt es einen Zugang zum Wasser. Eigentlich müssen Gäste auf dem Campingplatz Eintritt bezahlen, mit Charme kann man aber auch einen kostenloses Badestopp aushandeln. Wer einen der schönsten Sandstrände um Berlin herum kennenlernen will, der fährt die paar Meter weiter zum Seebad Caputh (Mai-Sept. tgl. 9–18.30 Uhr, Fr+Sa+So 10–20 Uhr). Die Überfahrt mit dem Fahrrad über den Templiner See kostet einen Euro. Dort angekommen, lädt das Fährhaus zu einem Aufenthalt ein (ab 1. März täglich geöffnet). Die Küche ist eher deftig, der Fisch meistens frisch.

Einsteins Sommerhaus und Potsdam

Auf dem Rückweg kommt man am Sommerhaus von Albert Einstein vorbei (April-Okt. Sa/So(Feiertag 10–18 Uhr, Eintritt fünf Euro). Die Rückfahrt Richtung Potsdam führt dann auf einem schönen Radweg am Templiner See entlang, wo es an der einen oder anderen Stelle Wasserzugänge gibt – ideal für eine Erfrischung im See. In Potsdam fährt man auf die Lange Brücke, biegt nach links ab und wendet sich gleich hinter dem Bahnhof nach rechts in die Rudolf-Breitscheid-Straße. Ihr folgt man bis zur Kreuzung, biegt dort nach links ein und fährt unter der Nuhte-Schnellstraße weiter nach Babelsberg. Der Wegweiser „Zehlendorf“ ist hilfreich. Im Babelsberger Zentrum folgt man der Rudolf-Breitscheid-Straße. Bald taucht links der Griebnitzsee auf. Wer nun müde Beine hat, kann hier in die S-Bahn steigen. Alle anderen radeln weiter nach Wannsee, vorbei an der Söhnel Werft, die man links unten am Teltowkanal sieht.

Mutter Fourage in Wannsee

Nach einer kurzen Fahrt durch den Wald kommt man nach Wannsee. Wenn man auf der Schäferstraße und dann der Chausseestraße bleibt – der Hauptweg durch den Ort –, kommt bald auf der linken Seite das sehr schöne Café Mutter Fourage (Mai-Sept. 9–19 Uhr, Okt.-April 10–18 Uhr). Der gepflasterte, blumengeschmückte Innenhof und die angeschlossene Galerie sind einen Besuch wert.  Über die Königstraße sind es dann noch etwa drei Kilometer bis zu unserem Ausgangspunkt.

Länge: ca. 55 km

 

 

Fahrradtour nach Fresdorf

Weinschmiede in Fresdorf

Die Weinschmiede in Fresdorf – ein idyllischer Ort mit kleiner Küche

Heute will ich eine Fahrradtour im Südwesten Berlins empfehlen, sie führt nach Fresdorf. Das eigentlich Schöne daran ist aber nicht die Strecke, obwohl die auch nicht schlecht ist, sondern ein Zwischenstopp in der Weinschmiede in Fresdorf. Also ein Tipp für alle Radler, für die nicht nur der Weg das Ziel ist, sondern denen auch ein Ziel wichtig ist. Es dürfte eher die Gruppe der Genussradler sein.

Weinschmiede Fresdorf

Hinterm Zaun geht es weiter – zum Garten der Gaststätte 

 

Die Weinschmiede in Fresdorf

Die Weinschmiede ist ein kleines Lokal in einem sanierten Wirtschaftsgebäude. Sie ist vor allem bei schönem Wetter zu empfehlen wegen des wunderschönen kleinen Gartens. Er wurde sehr „naturnah“ gestaltet, man sitzt an Holztischen neben Pflanzen und unter Weinranken. Es gibt für kühlere Tage auch innen einen Gastraum. Die Speisekarte ist klein, sie reicht aber für die Stärkung zwischendurch völlig aus und sie ist preiswert. Ein Flammkuchen kostet acht Euro, der Schmalztiegel mit Brot 2,50 Euro, die Latte Macciato 2,50 Euro. Dazu gibt es eine kleine, aber erlesene Weinkarte und diverse Biere.

  • Weinschmiede Fresdorf, Luckenwalder Straße 222, 14552 Fresdorf, geöffnet Fr, Sa, So ab 14 Uhr, Tel. 033205/46795

Der Weg nach Fresdorf

Nach Fresdorf fährt man von Zehlendorf aus Richtung Kleinmachnow, dann nach Stahnsdorf, Güterfelde, Philipsthal, dann Richtung Saarmund und Tremsdorf. In Tremsdorf biegt man nach Fresdorf ab. Hinter einem Schweinemastbetrieb stößt die kleine Verbindungsstraße auf die Hauptstraße in Fresdorf – hier biegt man nach rechts ab und fährt in das Dorf hinein. Nach circa 500 Metern liegt die Weinschmiede kurz vor einer Rechtskurve auf der linken Seite.

Dir Route nach Fresdorf

Dir Route nach Fresdorf

Einfache Strecke: knapp 30 Kilometer. Der Rückweg ist per Bahn ab Michendorf möglich.

Rennradtour nach Königs Wusterhausen

Blick auf die mit Plastikfolie abgedeckten Spargelfelder bei Mahlow Link

Blick auf die mit Plastikfolie abgedeckten Spargelfelder bei Mahlow Link

Man muss die wenigen sonnigen Tage in diesem grauen Winter-Januar nutzen. Am Sonntag war so ein Tag: Es war kalt, aber sonnig und trocken. Also, nichts wie rauf aufs Rad. Ich machte eine Tour nach Königs Wusterhausen. Tochter Amelie (12) spielte dort Hockey.

Über den Teltower Damm verließ ich Zehlendorf. In Teltow fuhr ich Richtung Mahlow weiter. Richtig romantisch ist es auf der Ortsdurchfahrt nicht, immer wieder wird man von Autos überholt. Da, wo die Straße auf die B 101 trifft, nimmt man den Radweg auf der linken Straßenseite und fährt unter der B 101 hindurch bis zur nächsten großen Kreuzung. Hier muss man die Schnellstraße überqueren, weil der Radweg zu Ende ist. Auf der gegenüber liegenden Seite nimmt man zunächst den Radweg (gut asphaltiert), der sich dann von der Schnellstraße entfernt. Man fährt an einem Baumbestand vorbei und kommt auf eine Landstraße – hier fährt man links. Das nun folgende Stück ist richtig schön: Man fährt auf einer Landstraße, die kaum benutzt wird, blickt auf weite Felder, bis man in Mahlow einrollt.

Glasow und Rangsdorf – Wohnt hier noch einer?

In Mahlow geht die Fahrt weiter auf der Mahlower Straße und dem Glasower Damm Richtung Rangsdorf. An diesem Sonntag habe ich mich manchmal gefragt, ob hier überhaupt noch einer lebt. Es ist jedenfalls sehr ruhig gewesen. In Rangsdorf biegt man links Richtung Brusendorf. Nicht wundern: Die Straße über die B 96 ist die richtige. Von Brusendorf kommt man nach Ragow (auch sehr still), und dann ist die Gegend plötzlich doch wieder belebt: Auf den endlos langen Chausseestraße rollt man nach Königs Wusterhausen rein. Ganz Bequeme steigen in die S 46 und fahren zurück nach Berlin. Wem die 40 Kilometer bis hierher nicht reichen, der hängt noch einen Schlag dran und fährt über Mittenwalde und den Rangsdorfer See zurück. Das mach‘ ich dann im Sommer. An jenem Sonntag war ich nach den 40 km schon genügend abgekühlt.

Karte

Die Strecke Zehlendorf – Königs Wusterhausen